Kaum ein Körperschmuck verrät das Geburtsjahr seiner Trägerin so zuverlässig wie das Arschgeweih. Was um die Jahrtausendwende an Stränden und in Clubs allgegenwärtig war, ist heute ein liebevoll belächeltes Stück Popkultur. Bianca Tenspolde, Tattoo Artist und Inhaberin von Medusa Tattoo Dortmund, sieht darin keinen Fehltritt, sondern ein Zeitdokument. „Jedes Tattoo erzählt nicht nur etwas über die Person, die es trägt, sondern auch über die Zeit, in der es entstanden ist“, sagt sie. „Wer heute auf sein Tribal aus den Neunzigern schaut, sieht ein Stück eigener Geschichte. Das ist doch eigentlich etwas Schönes.“
Die Neunziger: schwarz, kantig, laut
In den 1990er-Jahren wurden Tattoos in Deutschland zum ersten Mal wirklich massentauglich. Der Stil der Stunde war das Tribal, breite, schwarze, geschwungene Flächen, inspiriert von traditionellen Ornamenten aus Polynesien und Borneo. Ob am Oberarm, um den Knöchel oder am unteren Rücken, das Tribal stand für Stärke, Rebellion und ein neues Körpergefühl. Dazu kamen chinesische Schriftzeichen im Nacken, deren Bedeutung nicht immer ganz sicher war.
Das berühmte Arschgeweih war die logische Fortsetzung dieser Ästhetik, ein symmetrisches Ornament über der Hüfte, perfekt in Szene gesetzt von tief sitzenden Jeans. Mode und Tattoo gingen damals Hand in Hand. Als die Hosen wieder höher rutschten, verschwand auch das Motiv aus den Vorlagenmappen.
Die Zehnerjahre: Federn, Anker, Unendlichkeit
Mit dem Smartphone und den ersten sozialen Netzwerken veränderte sich die Bildsprache. Tattoos wurden kleiner, verspielter und symbolischer. Das Unendlichkeitszeichen am Handgelenk, Federn, aus denen ein Vogelschwarm aufsteigt, Anker, Pusteblumen und kurze Schriftzüge wie „Carpe Diem“ prägten die Jahre nach 2010. Viele dieser Motive standen für Freiheit, Verbundenheit oder einen Neuanfang, Werte, die in einer Zeit des Umbruchs gefragt waren.
„Damals ging es darum, eine Botschaft zu tragen“, erzählt Tenspolde. „Das Motiv sollte sofort verständlich sein, für einen selbst und für andere. Viele dieser Tattoos sind heute für ihre Trägerinnen und Träger noch genauso wichtig wie am ersten Tag, weil sie mit einem bestimmten Lebensabschnitt verbunden sind.“
Heute: die Kraft der leisen Linie
Die 2020er-Jahre gehören den Fineline Tattoos. Hauchdünne Linien, oft mit nur einer einzigen Nadel gestochen, zarte Blumen, winzige Sternbilder, filigrane Schriftzüge. Der Stil passt zu einer Zeit, in der vieles minimalistisch, persönlich und gut fotografierbar sein soll. Auf Instagram und Pinterest verbreiten sich feine Motive in Sekunden über den ganzen Globus.
Neu ist dabei vor allem die Haltung. Viele tragen heute nicht ein großes Statement, sondern mehrere kleine Motive, die im Lauf der Jahre zu einer Sammlung zusammenwachsen. Ein Tattoo wird weniger zur einmaligen Entscheidung als zu einem Kapitel in einer fortlaufenden Geschichte.
Die feine Linie hat allerdings ihre Eigenheiten. Haut ist ein lebendiges Material, und sehr eng gesetzte Linien können im Lauf der Jahre optisch näher zusammenrücken. Größe, Abstände und Körperstelle werden deshalb sorgfältig geplant, damit die Zartheit auch nach vielen Jahren erhalten bleibt.
Der stille Dauerbrenner – Black & Grey
Ein Stil hat alle Trends überdauert. Black & Grey arbeitet nur mit Schwarz und fein abgestuften Grautönen und erzeugt so Licht, Schatten und erstaunliche Plastizität. Seine Wurzeln liegen in der Chicano-Kultur im Los Angeles der 1970er-Jahre, wo mit einfachsten Mitteln und einer einzelnen Nadel detailreiche Porträts und religiöse Motive entstanden. Aus dieser Tradition hat sich ein Stil entwickelt, der heute für Realismus, Tiefe und Zeitlosigkeit steht und in dem auch moderne 3D-Effekte ihren Ursprung haben.
Trend oder Teil von mir?
Was bedeutet das für alle, die gerade über ihr erstes oder nächstes Tattoo nachdenken? Trends sind nichts Schlechtes, sie spiegeln das Lebensgefühl ihrer Zeit. Entscheidend ist, ob ein Motiv auch dann noch Bedeutung hat, wenn der Trend weitergezogen ist.
„Ich frage gern: Was verbindest du mit diesem Motiv, unabhängig davon, wie viele andere es gerade tragen?“, sagt Tenspolde. „Wenn es darauf eine persönliche Antwort gibt, wird das Tattoo auch in zwanzig Jahren noch zu dir gehören. Und wenn es dann nach einem bestimmten Jahrzehnt aussieht, ist das völlig in Ordnung. Es zeigt ja, dass man diese Zeit gelebt hat.“
Haut als Tagebuch
Tattoos sind gestochene Erinnerungen. Sie halten fest, was uns in einer bestimmten Lebensphase wichtig war, und sie verraten mit einem Augenzwinkern, in welchem Jahrzehnt das geschah. Vom Tribal über das Arschgeweih und die Feder bis zur feinen Linie von heute hat jede Generation ihre eigene Bildsprache gefunden. Wer bei der Wahl des Motivs auf die eigene Geschichte hört und sich gut beraten lässt, trägt am Ende kein Trendstück, sondern ein persönliches Kapitel, das auch Jahrzehnte später noch erzählt, wer man einmal war und wer man geworden ist.
Über Medusa:
Medusa Tattoo ist ein professionelles Studio für Tattoo und Piercing in Dortmund. Bei uns wird jede Stilrichtung von einem erfahrenen Profi vertreten. Von Fineline, Black & Grey und 3D Tattoos über filigrane Kleine Tattoos / Mini Tattoos bis hin zu Medical Tattoos und professionellem Piercing. Höchste Hygiene, individuelle Entwürfe und beste Beratung stehen bei Medusa an erster Stelle.
Alle Infos zu Medusa Tattoo Dortmund: https://www.medusa-tattoo-dortmund.de/